Juli 2020


Vom Main an die Via Flaminia


Rechtzeitig zum Sommer starten wir eine Kooperation mit zwei Olivenbauern an der Via Flaminia in der Nähe von Rom, von denen wir ein Olivenöl der Marke OF beziehen. OF steht für „Oro Flaminio“ und bedeutet „Flaminisches Gold“. Der Olivenhain, aus dem dieses wunderbare goldfarbene Öl gewonnen wird, wächst nördlich von Rom, in der Nähe der Via Flaminia, einer uralten Straße aus der Antike.

Das Ehepaar Martin Thomas und Ellen Strasser betreiben dort eine sogenannte „Azienda Agricola“, einen landwirtschaftlichen Betrieb mit ca. 500 Olivenbäumen unterschiedlicher Sorten mit klingenden Namen wie Frantoio, Canino, Leccino oder Moraiolo.

Die hügelige Landschaft, in der die Bäume wachsen, ist halb kultiviert, halb wild und naturbelassen und geht über in einen archäologischen Landschaftspark mit Überresten etruskischer Siedlungen. Jeden Herbst werden die Oliven mit Netzen und mechanischen Kämmen von Hand geerntet und in die örtliche Olivenpresse in Castelnuovo di Porto gebracht, wo daraus reinstes, kaltgepresstes Olivenöl gewonnen wird. „Oro Flaminio“ wird biologisch erzeugt und zeichnet sich durch einen besonders feinen und fruchtigen Geschmack mit leicht pikanter Note aus.

Die beiden Olivenbauern kommen ursprünglich aus Deutschland. Ellen Strasser stammt mütterlicherseits aus einer Sommeracher Winzerfamilie, ihr Mann ist in einem landwirtschaftlichen Betrieb bei Frankfurt aufgewachsen.  Die Lust und Freude an der Pflege der Landschaft und am Erzeugen eines guten Lebensmittels haben sie schon von klein auf kennen gelernt. Nach einem abwechslungsreichen Berufsleben, das sie in viele Länder geführt hat, ist der Olivenanbau nun eines ihrer Lieblingsprojekte.

Und als Gruß aus der Heimat wächst nun auch eine „Multiforma Frankonia“, ein Bäumchen aus dem fränkischen Quittenprojekt inmitten des Olivenhains und erinnert mit seinen leuchtenden Früchten an die fränkische Kulturlandschaft.


Sortenvielfalt an der Volkacher Mainschleife

Erhaltung und Vermehrung fränkischer Landsorten

Volkacher Riesenquitte

Der Mutterbaum der Volkacher Riesenquitte musste einem Parkplatz weichen. Doch dank des Rekultivierungsprojektes unter der Leitung von Marius Wittur konnte diese Fränkische Landsorte im letzten Moment noch weitervermehrt und gerettet werden.

Quittenexperte
Marius Wittur

Riechen, fühlen, sehen, schmecken, analysieren -  die Welt der Quittensorten ist immer für eine überraschende Neuentdeckung gut!

Sortenvielfalt

In einem verwilderten Kulturlandschaftsrelikt an der Volkacher Mainschleife haben sich zahlreiche alte Quittensorten erhalten. Marius Wittur hat sie wiederentdeckt und sorgt mit dem Rekultivierungsprojekt vor Ort für die Erhaltung und Vermehrung der alten Fränkischen Landsorten.


Blogbeitrag Nr. 1 vom Quittenbauer Wittur

Traum und Drama alter Quittensorten - am Beispiel der Volkacher Riesenquitte


Wenn Quitten träumen könnten und immer alles nur mit Essen, Sex oder dem Tod zu tun hat, dann träfe das für die Obstsortenkunde genauso zu wie für die Traumdeutung und erst recht für die Volkacher Riesenquitte. Da geht es nämlich auch um nichts anderes als um essbare Früchte, um die Geschichte mit der Blüte und der Biene und um alte Sorten, die vom Aussterben bedroht sind. Der Begriff  Pomologie, wie man die Obstsortenwissenschaft im Fachjargon nennt, geht zudem auf die römische Göttin der Baumfrüchte zurück, welche Pomona hieß und im Grunde genommen mit ihrer Hippe und ihrem Füllhorn nichts anderes als „urban gardening“ am dichten Götterhimmel der Antike machte.

So viel hat sich seitdem an den Freuden und Arbeiten in den Obstgärten auch eigentlich nicht geändert, nur dass die obstgenetischen Ressourcen genauso schnell verschwinden wie die kleinen Schuhmacherläden in den Innenstädten oder die Postfilialen auf dem Land. Mit dem Unterschied, dass man verschwundene Obstsorten sich später nicht mehr zusammenschustern kann und es auch nicht funktioniert, dass man per Online-Banking sich die Summe der auf das Konto des Aussterbens überwiesenen Varietäten, einfach wieder zurückbuchen lässt.

Bei den Quitten verläuft die Sortenerosion noch um einiges dramatischer und die Hintergründe dafür habe ich bereits einmal ausführlich in dem „Ich liebe Quitten-Rezeptbuch“ beschrieben, welches vom Haus der Quitte vertrieben wird. Als ich aber vor einigen Tagen in Volkach unterwegs war, um mir just etwas aus der Bäckerei zu besorgen und sah, dass hinter dem historischen Gasthaus Zum Lamm von 1770 ein neuer Parkplatz entstanden ist, wo bis vor kurzem noch ein alter Quittenbaum stand, da ist mir die Lust aufs Essen vergangen, weil mir der Anblick nur noch quer im Magen lag. Auch wenn ich nicht beschreiben kann, was da in dem Moment alles in mir vorging, als ich an der Stelle stand, wo bis vor kurzem noch die alte Quitte den verwilderten Garten vom Gasthaus zierte, da wusste ich mit einem Schlag nur, dass ich Quittenblogger werden muss, so als ob mir aus dem hohen Geäst des verschwundenen Baums eine unsichtbare, aber nicht minder harte Quitte auf den Kopf gefallen wäre.

Ich erinnere mich noch genau, als vor ein paar Jahren eine Frau mit ihrem Fahrrad zu mir auf den Hof gefahren kam und völlig aufgeregt zu erzählen begann, dass das alte Gasthaus in Volkach verkauft worden sei und der große Komplex zu einer neuen Wohnanlage umgebaut werden soll. Und dass dort  im alten Garten ein wundervoller Quittenbaum steht, der riesengroße Früchte trägt und den ich unbedingt retten müsste, weil dieser gewiss dem neuen Bauprojekt zum Opfer fallen werde.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits die meisten Fränkischen Landsorten identifiziert und bei neuen Hinweisen auf alte Quittenstandorte hatte sich inzwischen die Regel eingestellt, dass sich dort keine gefährdeten Sorten mehr finden ließen, sondern es sich lediglich um eine der fünf Populärsorten handelte, welche in den letzten hundert Jahren in Deutschland am meisten verbreitet waren. So maß ich dem Hinweis der Frau ehrlicherweise keine größere Wertigkeit bei, außer dass ich mich darüber freute, dass es überhaupt noch Menschen gab, die sich lieber im Vorfeld darum bemühten etwas schützen zu wollen als danach nur noch das zu beklagen, was verloren ist.

Zwei Wochen später kam die Frau mit dem Fahrrad erneut auf den Hof geradelt, um nachzufragen, warum ich die Volkacher Riesenquitte noch nicht gerettet hätte. (Da ich mich gerade als Quittenblogger auf ein schier neues Feld begebe, weiß ich jetzt gerade nicht, ob es der Pomologie unbedingt zuträglich ist, dazuzusagen, ob ich mich über den Besuch gefreut habe oder nicht, aber andererseits ist es ja genau mein Anliegen, die Wirklichkeit der Obstsortenkunde aus der Praxis heraus zu verdeutlichen). Ich glaube am plausibelsten ist es einfach zuzugeben, dass ich gerade in Eile war und den Transporter mit Quittensecco für eine Auslieferung an die Gastro Broeding in München packte und vor dem Feierabendverkehr noch an Nürnberg vorbeikommen wollte. Jedenfalls erklärte ich der Frau kurz und bündig, dass ich mir im Herbst erst mal die Früchte ansehen würde, um feststellen zu können, ob Erhaltungsmaßnahmen überhaupt notwendig sind.

Sie war sichtlich enttäuscht und war davon ausgegangen, dass ich mit dem Fränkischen Quittenprojekt Bäume ausbaggere und diese dann an den Quittenlehrpfad verpflanze, weswegen mir die fremde Frau Mitte vierzig dann in dem Moment doch noch ein Lächeln entlockte. Und mir tat es dann auch leid, dass sie den ganzen Weg umsonst mit dem Fahrrad geradelt war, zumal sie es von der Figur gar nicht nötig hatte und die Fahrradwege durch die Monokulturlandschaft aus Weinbergen für Einheimische ohnehin keinen besonderen Reiz ausüben.

Wie dem auch sei, ich schaute mir den Quittenbaum in Volkach dann noch vor der Fruchtreife an und sah, dass dieser mehrstämmig aus dem Boden wuchs. Dies passiert am häufigsten, wenn die Quittenunterlage, auf welche die Edelsorte veredelt wurde, sich frei macht, was so viel heißt, dass sich dann aus den Wurzeln Triebe bilden. Wenn alte Bäume auseinander brechen oder vom Sturm umgerissen wurden, kommt es oft zu einer verstärkten Bildung von Wurzeltrieben, welche binnen weniger Jahre zu großen Sträuchern nachwachsen können. Da in den vergangen Jahrzehnten in allen Baumschulen fast nur eine Unterlagensorte (Quitte A) verwendet wurde, lässt sich die Sorte bei freigemachten Gehölzen schon eindeutig am Blattwerk feststellen.

Bei der Volkacher Quitte war aber offensichtlich, dass es sich nicht um eine Unterlagenquitte handelte, da ihr Laub großblättrig und rund war. Und zumindest ließ sich eingrenzen, dass es sich bei dem Gehölz mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um einen selbstgezogenen Sämling oder Steckholz handelte, weil diese von Natur aus auch zu einem mehrstämmigen Wuchs direkt aus dem Boden neigen. Damit war zwar noch nicht die Sortenfrage geklärt, aber da man anno dazumal Quitten nicht nur durch Aufpfropfen von Edelreisern vermehrte, sondern ebenso durch Aussäen von Kernen oder verbreitet auch über Stecklinge, so war es bei der Quitte in Volkach definitiv nicht mehr auszuschließen, dass es sich durchaus um eine seltene Varietät handeln könnte.

In Anbracht des ungewissen Baubeginns auf dem Grundstück des ehemaligen Gasthauses Zum Lamm, beschloss ich, ein paar Reiser für eine Sommerveredlung (Okulation) mitzunehmen. Da der Baum aber schon sehr vergreist war, fand ich nur zwei Triebe in den obersten Kronenästen und hätte mir fast das Genick gebrochen, um an diese heranzukommen, weil ich in dem Moment meine Teleskopastschere nicht dabei hatte. Beim Veredeln stellte sich heraus, dass die Rinde sich nur schwer von den zwei Edelreisern abziehen ließ, um diese auf eine Unterlage zu setzen und es war
ein reines Glücksspiel, ob diese überhaupt anwachsen würden.

Der finale Moment kam dann aber erst im Herbst, wo ich zwischen der Musikschule und dem verwilderten Grundstück mein Fahrzeug abstellte und sogleich die großen glockenförmigen Quitten an dem Baum hängen sah. Ich versuchte, bewusst nicht die Früchte zu riechen, und hielt solange es ging die Luft an, weil ich wusste, dass ich mich dann womöglich nur in diese Quitte verlieben würde, zumal ich solch innige Rundungen bei den äußeren Fruchtmerkmalen von Quitten noch nicht gesehen hatte. Besonders auffallend war das der Fruchtkörper deutliche Rippen zeigte und in der Kombination von Glockenform und Größe auf Anhieb ein fruchtmorphologisches Unikat unter allen in der Region wachsenden Quittensorten darstellte.

Eigentlich hätte ich vor Freude in die Luft springen können, aber glückliche Menschen auf dem Land sehen meistens irgendwie traurig aus. Und kaum dass ich mir eine Kiste der Früchte für weitere Untersuchungen daheim in den Kofferraum gepackt hatte und über die Volkacher Mainbrücke fuhr, da drückte vor allem das Gewicht der Realität auf die Achse. Nämlich dass sich der Hinweis auf die Volkacher Riesenquitte zwar als Geschenk erwiesen hatte, aber dessen Verfallsdatum schon längst abgelaufen war, da der für die Vermehrung notwendige Mutterbaum in naher Zukunft gefällt werden würde.

Ich bekam immer mehr Zweifel, ob etwas von den zwei Trieben anwachsen würde, die ich veredelt hatte und jedes Mal, wenn ich durch Volkach fuhr und die fortschreitenden Baumaßnahmen sah, stockte mir der Atem. Und wenn man als Quittenexperte auf Vorträgen oder Veranstaltungen unterwegs ist, dann ist das nochmal etwas ganz anderes, als auf einer Baustelle nach dem Verantwortlichen der Bauleitung zu suchen und zwar mit keinem anderen Erfolg, als letztlich am Telefon von einer Warteschleife zur nächsten und von einem Büro zum anderen verwiesen zu werden, um am Ende nur mit der Auskunft abgespeist zu werden, dass man keine Auskunft geben könne, wann genau der Garten des ehemaligen Gasthauses umstrukturiert wird, aber dass das Fränkische Quittenprojekt sicher eine gute Sache wäre.

Es war also dem Zufall überlassen, ob die veredelten Reiser etwas werden sollten und wenn man schon dabei ist, den Fortbestand einer einzigartigen Quittensorte dem Zufall zu überlassen, dann konnte man immerhin noch den Zufall potenzieren. Deshalb fuhr ich nach der Quittenernte in jenem Jahr wieder zu dem Mutterbaum in Volkach, um diesen stark zurückzuschneiden, damit dieser im Frühjahr genau jene kräftigen Triebe bildet, die man zum Veredeln braucht. Da viele Handwerker auf dem Grundstück herumwerkelten, fiel es auch gar nicht auf, dass ich dort auf dem Gelände die alte Quitte schnitt und während ich mich gerade warm gearbeitet hatte, brachte ich gleich auch noch die ganzen anderen Sträucher an der Rückseite des Geländes in einen Formschnitt, dass es so aussah, als wäre eine Gartenbaufirma damit beauftragt gewesen, die grüne Grenze des Objekts zu gestalten.

Wie froh war ich erst Jahrs darauf im Sommer, als die Quitte immer noch stand und optimale Neutriebe zum Veredeln gebildet hatte. An die zweihundert Bäume konnte ich so auf einmal nachziehen, womit eine praxistaugliche Grundlage für die Erhaltungsarbeit geschaffen war.
Auf meinen Quittenbaumfeldern zeigten sich dann auch noch weitere markante Sortenmerkmale der Volkacher Riesenquitte, welche sich in ihrem schematischen Wuchsverhalten zeigten. Denn sie besitzt ein äußerst langsames Wachstum, mit einem lockeren Kronenaufbau, wodurch sie sich besonders gut an unterschiedliche Standorte anpassen kann. In Anlehnung der Studien über die Wuchsmorphologie des Mutterbaums ist die Volkacher Riesenquitte aufgrund ihrer Regenerationsfähigkeit im hohen Alter den Quitten der Varietät: Cydonia oblonga var. maliformis zuzuordnen, auch wenn ihr lockerer Kronenaufbau vielmehr Ähnlichkeit mit den Sortentypen der Birnenquitte (Cydonia oblonga var. pyriformis) hat. Möglicherweise ist die Landsorte aus Volkach auch eine ausgewogene Kreuzung zwischen den zwei Quittenhauptgruppen.

Jetzt ist die alte Quitte in Volkach endgültig verschwunden, zugunsten eines schicken Parkplatzes für schicke Autos und für schicke Menschen, die daraus aussteigen, die vielleicht irgendwann mal von einem schicken Garten träumen, weil ihnen der Boden unter den Füßen zu hart ist und dann nichts schicker wäre, als darin eine vom Aussterben bedrohte Quittensorte zu pflanzen und das stimmt! Denn alte, vom Aussterben bedrohte Quittensorten, die sich nicht einmal mehr für die rote Liste des Artensterbens eigenen, weil sie keiner mehr kennt, um sich überhaupt noch an sie zu erinnern, die sind wirklich „nice“!


Mit quittengelben Grüßen!
Marius Wittur



Juni 2020

Sommerfeeling auf den Quittenrangen an der Mainschleife ...


Junge Früchte

Die befruchteten Blüten haben sich schnell zu kleinen Früchten mit einem dichten Flaumpelz entwickelt.



Mai 2020

Die Quittenblüte an der Volkacher Mainschleife war dieses Jahr wieder ein wunderschönes Naturereignis! Auf dem Foto sehen Sie zwischen den blühenden Quittenästen die Wallfahrtskirche Maria im Weingarten.

Als kleinen Trost für die coronabedingt entfallenen Frühlings-Führungen am Quittenlehrpfad finden Sie unter dem Reiter "Führungen" ein Youtube-Video mit unserem Quitten-Experten Marius Wittur: Führung zur Quittenblüte.

April 2020


Mitte April öffnen die jungen Quittenbüsche in den Töpfen ihre Knospen früher als ihre älteren Kollegen auf den Obstwiesen. Doch die Blütenpracht wird herausgebrochen, um das Wurzelwachstum zu stärken. Wie schade! Was bleibt, ist ein Foto von den zauberhaften Blüten und Knospen...
Ein filigraner Gast auf der Quittenblüte

März 2020
Im März eröffneten die Kirschpflaumen den Blütenreigen am Astheimer Quittenlehrpfad.

Januar

Auch im Winter ist ein Spaziergang an der Mainschleife reizvoll. Der Raureif verzaubert Landschaft und Pflanzen.

Winterzauber mit Sonnenuntergang